Handydaten aus dem Werbetechnologie-Ökosystem sind käuflich – und verraten, wo du wohnst, arbeitest und dein Leben verbringst. Du bist nicht der Kunde. Du bist das Produkt – und das Produkt wird gerade versteigert. Jedes Mal wenn du eine App öffnest, findet in Millisekunden eine Auktion statt: dein Standort, dein Gerät, dein Verhalten – meistbietend. In diesem Workshop erlebst du selbst, wie einfach es ist, jemanden mit frei käuflichen Daten zu verfolgen.
Überwachung ist kein Geheimdienst-Monopol mehr. Sie ist ein Nebenprodukt deiner Wetter-App.
Apps wie Wetter Online, Kleinanzeigen oder FlightRadar24 orten ihre Nutzer:innen teils auf den Meter genau – und geben diese Daten weiter.
Quelle: netzpolitik.org, Data Broker Files
Die Daten fließen über sogenanntes Real Time Bidding (RTB) vollautomatisch an Hunderte Firmen gleichzeitig – in unter einer Sekunde. Verkauft werden Standort, Geräte-ID und App-Nutzung.
Eine Werbe-ID ist wie ein Nummernschild. Wer Wohn- und Arbeitsort kennt, kann aus anonymisierten Datenpunkten echte Personen rekonstruieren. Studien zeigen: Das funktioniert in 87% der Fälle – mit nur vier Standortpunkten.
Quelle: de Montjoye et al., MIT, 2013
Die Data Broker Files von netzpolitik.org zeigen Bewegungsprofile von Personen, die augenscheinlich für Bundesministerien, die Bundeswehr und deutsche Geheimdienste arbeiten. Stalker:innen, fremde Geheimdienste, Arbeitgeber – sie alle können diese Daten kaufen. Legal.
Queere Dating-Apps wie Grindr oder Hornet verraten sexuelle Orientierung. Gesundheits-Apps für Blutdruckpatient:innen oder Periode-Tracking verraten medizinische Zustände. Beides fällt unter Artikel 9 DSGVO – besonders schützenswert. Beides sind Daten, die heute frei gekauft werden können.
In Ländern, in denen Homosexualität strafbar ist, kann diese Information tödlich sein.
Teams bekommen Zugriff auf einen echten Datensatz aus dem Ad-Tech-Ökosystem. Ihre Aufgabe: eine synthetische Person namens Dr. Kai Brandt re-identifizieren — anhand von Bewegungsmustern, Aufenthaltsorten und Zeitstempeln.
Die Ausgangslage wird erklärt. Teams erhalten Zugang zum Dashboard und erste Hinweise zur gesuchten Person.
Teams analysieren Bewegungsprofile, identifizieren Wohn- und Arbeitsorte und versuchen, die Zielperson zu benennen.
Auflösung und Diskussion: Was bedeutet das für den Datenschutz? Was muss sich ändern — technisch, rechtlich, politisch?